Фондові лекції викладачів факультету іноземної філології - Частина ІІІ - 2015

РОЗДІЛ 1. Фондові лекції з дисциплін циклу професійної та практичної підготовки для студентів ОКР «Бакалавр»

В.О. Казимір, кандидат філологічних наук, доцент

Deutscher Wortakzent Schwerpunkte für Diskussion

Дисципліна: Теоретична фонетика німецької мови

Вид лекції: оглядова лекція

Дидактичні цілі:

Навчальні: усвідомлення базових понять теоретичної фонетики німецької мови для формування здатності самостійно робити практичні висновки при спостереженні над теоретичним матеріалом з фонетики німецької мови.

Розвиваючі: формувати систему знань про звукову будову німецької мови і її компоненти та розуміння їхньої ролі в усній вербальній комунікації.

Виховні: забезпечити мотивацію та інтерес до теоретичної фонетики німецької мови.

Міжпредметні та міждисциплінарні зв'язки: практична фонетика німецької мови, лексикологія німецької мови, практика усного і писемного мовлення німецької мови.

Навчально-методичне забезпечення: дидактичні матеріали - таблиці.

Theoretische Fragen

1. Physische Eigenschaften des deutschen Wortakzents.

2. Verteilung des Akzents im deutschen Wort.

3. Die wichtigsten Modelle des deutschen Wortakzents.

4. Funktionen des deutschen Wortakzents.

Literaturverzeichnis

1. Steriopolo E.L. Theoretische Grundlagen der deutschen Phonetik / E.L. Steriopolo. - Winnytsa : Nowa Knyha, 2004. - 316 S.

2. Zacher O. Deutsche Phonetik / O. Zacher. - Leningrad : Просвещение, 1969. -235 S.

3. Kosmin O.G. Theoretische Phonetik der deutschen Sprache / O.G. Kosmin, T.S. Bogomasowa. - Москва : Высшая школа, 1990. - 222 S.

4. Зиндер Л.Р. Теоретический курс фонетики современного немецкого языка / Л.Р. Зиндер. - Санкт-Петербург : Наука, 1997. - 325 С.

Текст лекції

1. Physische Eigenschaften des deutschen Wortakzents.

Unter Wortakzent oder Wortbetonung verstehen wir die artikulatorisch-akustische Hervorhebung einer Silbe im isolierten Wort und gleichzeitig die artikulatorisch-akustische Gestaltung der übrigen Silben in zwei- und mehrsilbigen Wörtern hinsichtlich des Akzentgrades. Es handelt sich somit bei der Bestimmung des Wortakzents nicht nur um die Festlegung der Kernsilbe mit der Hauptbetonung, sondern auch um die Verteilung des Akzentgewichts auf die übrigen Silben des Wortes. Dem Akzentgewicht oder Akzentgrad nach können vier Arten von Silben unterschieden werden: Silben mit Hauptbetonung (Kernsilben), Silben mit Nebenbetonung, unbetonte starke und unbetonte schwache Silben. Zu den unbetonten schwachen Silben gehören im Deutschen Silben mit dem Endungs -e, Suffixe mit dem reduzierten [э] oder [э], die Präfixe be-, ge-: su-che, spra-chen, sagte, be-kam, Ge-wicht. Alle übrigen unbetonten Silben sind unbetont stark: le-ben-dig, Frei-heit. Im Wort Hauptbetonung liegt der Hauptakzent auf Haupt-, der Nebenakzent auf -to-, -ung ist eine starke, -be- eine schwache unbetonte Silbe. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass bei der Hervorhebung von Silben mit Hauptbetonung drei Faktoren beteiligt sind: die Intensität (dynamische Kraft), die Tonhöhe und die Dauer. Jedoch können diese drei Faktoren in verschiedenen Sprachen verschiedene Rangstellungen einnehmen. Wenn die leitende Rolle der Intensität zukommt, spricht man von dynamischem Akzent. Überwiegt die Rolle der Tonhöhe, so spricht man von musikalischem Akzent. Die Dauer tritt meistenteils als Begleiterscheinung der ersten beiden Faktoren auf.

Den deutschen Wortakzent bezeichnet man gewöhnlich als dynamisch-musikalisch. Wie in den meisten indoeuropäischen Sprachen steht hier der dynamische Druck mit einer entsprechenden Verstärkung des Atemdrucks und einer Präzisierung der Artikulation an erster Stelle. Die Tonhöhe tritt als Begleiterscheinung auf und hat keine differenzierende Bedeutung wie etwa im Chinesischen und in anderen Sprachen Asiens und Afrikas.

Jedoch die dynamisch-musikalische Hervorhebung der Kernsilbe des deutschen Wortes ist — wie experimentelle Untersuchungen zeigen — gleichzeitig mit einer bestimmten Dehnung dieser Silbe verbunden, während die unbetonten Silben entsprechend gekürzt werden. In Kernsilben mit langem Vokal wird vor allem dieser Vokal gedehnt, denn die Lange der langen Vokalphoneme ist bekanntlich eine relative Erscheinung, da einige Schwankungen

in der Lange sprachlich nicht von Bedeutung sind, insofern sie den Sinn des Wortes nicht verändern. In geschlossenen Kernsilben mit kurzen Vokalen findet keine Vokaldehnung statt, weil die Kürze und der feste Anschluss an den folgenden Konsonanten den Sinn des Wortes bestimmen: Stadt — Staat. Falsche Dehnungen der kurzen Vokalphoneme in Kernsilben kommen bei Russen in der deutschen emotionellen Rede vor: Was hast [ha: st] du denn? Im Deutschen dürfen in diesen Fällen nur die Konsonanten gedehnt werden, und zwar nicht nur Sonanten und Engelaute, sondern auch Verschlusslaute. Bei den letzteren erzielt man die Dehnung. durch eine Verzögerung der Sprengung. Es sollte also heißen: Was hast [has: t]du denn?

Im isolierten Wort ist die Dehnung nicht so stark wie in diesem Satzbeispiel, aber eine bestimmte Dehnung der Konsonanten ist doch zu empfinden. Vgl. das [n] am Ende der betonten Silbenanmit den übrigen [n] des Wortes aneinander.

Die deutsche Wortbetonung ist also nicht nur dynamisch-musikalisch, sondern gleichzeitig auch quantitativ. Es gibt in dieser Hinsicht keinen Unterschied zum Russischen, Französischen, Englischen. Unterschiede gibt es nur in der relativen Intensität und Längung, der Art der Längung und dem Tonhohenverlauf. Im Französischen ist die dynamische Hervorhebung nicht so stark wie im Russischen, Englischen und Deutschen. Im Deutschen wiederum scheint der dynamische Druck starker zu sein als im Russischen. Es gibt hier keine vergleichenden experimentellen Untersuchungen. Dass es Unterschiede im Tonhöhenverlauf zwischen den Sprachen gibt, steht fest. So sind z. B. im Deutschen die Tonhöhenintervalle in der Regel größer als im Russischen.

2. Verteilung des Akzents im deutschen Wort.

Nach der Distribution (Verteilung) des Akzents im Wort unterscheidet man gewöhnlich zwei Arten von Wortbetonung: freie und gebundene. Gebunden ist die Wortbetonung, wenn die Silbe mit der Hauptbetonung im Wort eine bestimmte Stelle einnimmt: die erste, wie im Tschechischen, Lettischen u. a. Sprachen, die letzte, wie im Türkischen usw., die vorletzte, wie im Polnischen. Frei ist sie, wenn in verschiedenen Wörtern der Sprache verschiedene Silben Akzentträger sein können und durch morphologische und etymologische Veränderungen die Hauptbetonung von einer Silbe des Wortes auf eine andere übertragen werden kann: логово, ворона, борода, голова — голову, стол — столу.

Es gibt auch andere Termini. So nennt man den gebundenen Akzent rhythmischen, den freien grammatischen. Man spricht von einem etymologischen Akzent der germanischen Sprachen, wo die Betonung auf den Wortstamm oder sonst inhaltlich wichtige Teile des Wortes fällt.

Das Interesse für neue Bezeichnungen und Erklärungen verschiedener Wortakzente hat seinen Grund in der unzureichenden Charakteristik der Wortbetonung mancher Sprachen durch die Termini frei und gebunden. Auch die deutsche Wortbetonung kann nicht genau mit diesen Termini gekennzeichnet werden. W.M. Shirmunsky unterstreicht z. B. den gebundenen Charakter der deutschen Wortbetonung und nennt sie unbeweglich. Aber das stimmt nicht immer. Vgl. ,umschreiben, um‘schreiben, Schreibe‘rei. Hier ist die Betonung beweglich. O.N. Nikonowa, L.R. Sinder und T.W. Strojewa nennen daher die deutsche Wortbetonung frei. Aber sie ist nicht so frei wie im Russischen, denn sie kann weder auf grammatischen Endungen und formbildenden Affixen noch auf untrennbaren Präfixen und deutschen nicht entlehnten Suffixen stehen, wenn wir von der Hauptbetonung sprechen.

Die deutsche Wortbetonung ist wohl gebunden, aber nicht so wie im Tschechischen, Türkischen, Polnischen. Sie ist an bestimmte Morpheme der Sprache gebunden: an Stammorpheme, Morpheme, die trennbare Präfixe bilden, an einige entlehnte Suffixmorpheme. Der deutsche Wortakzent ist daher am genauesten mit dem Terminus morphemgebunden zu charakterisieren.

3. Die wichtigsten Modelle des deutschen Wortakzents.

Wenn die deutsche Wortbetonung in einem beliebigen Wort ein und dieselbe Stelle einnehmen würde, gäbe es, nur in Akzentmodell. Wäre sie völlig frei, so standen der Regelung große Hindernisse im Weg. Wie z. B. im Russischen, wo es im Volkslied heißt: Уж как зелено, зелено, зелено!

Da der deutsche Wortakzent aber morphemgebunden ist, kann er geregelt und in einigen Grundmodellen dargestellt werden. Die vier oben erwähnten Akzentgrade bezeichnen wir auf folgende Weise: Hauptbetonung [ — ], Nebenbetonung [ - ], unbetont stark [ — ], unbetont schwach [ . ]. Um die Modelle nicht kompliziert zu gestalten, werden wir den Melodieverlauf nicht bezeichnen, umso mehr bekannt ist, dass das isolierte Wort beim ruhigen Sprechen die Melodie des Aussagesatzes hat, also immer mit einem aussagenden Abschluss endet.

Es können sieben Grundmodelle des deutschen Wortakzents unterschieden werden.

1. [ — ]: Hand, bald, und, du, zehn. Alle einsilbigen Wörter werden in der isolierten Aussprache auf diese Weise betont.

2. [ — .] Vater; lesen, aber, ehe. Alle zweisilbigen Wörter mit einem reduzierten e-Laut in der zweiten Silbe werden nach diesem Modell betont. Als Varianten des Modells gelten:

a) [ —..]: lesende, eigene, unsere,

b) [--- ]: Zeitung, emsig, freilich,

c) [--------- .]: Zeitungen, emsige, sämtliche.

3. [---- ] Tischtuch, Aufbau, Wirtschaft, Arbeit, Kino, Jena, Moskau.

Nach diesem Modell werden zusammengesetzte, abgeleitete und einfache Wörter betont. Für die zusammengesetzten Wörter ist dabei kennzeichnend, dass das Bestimmungswort an der ersten Stelle steht, für die abgeleiteten Wörter, dass am Anfang ein trennbares Präfix oder aber am Ende ein Suffix mit Nebenbetonung steht, für einfache Wörter, dass die letzte Silbe einen volltonenden Vokal enthält.

Varianten dieses Modells sind:

a) [--- . ]: Tischtücher, aufbauen, arbeiten, Moskauer,

b) [------------ .]: Anmerkungen, anfertigen, vorzügliche,

c) [------ . . ]: arbeitende, vorbeugende,

d) [------ ]: Weltfestspiel, Fünfjahrplan (aus rhythmischen Gründen

wird in diesen dreigliedrigen Zusammensetzungen die Nebenbetonung auf die letzte Silbe verlegt),

e) [_------------ ]: Fußballwettspiel, Hochbaufahrstuhl,

f) [ —. — . ]: Sommermantel, Himmelsgegend.

4. [ . —]: Betrieb, Gewinn, bekannt, genau. Das Modell gilt für zweisilbige Wörter mit den Präfixen be-, ge-. Varianten des Modells sind:

a) Betriebe, gewinnen, bekannte, genaue,

b) [ . ~ . . J: gewonnene, beginnende.

5. [ — ] : Empfang, Verlust, erkämpft, bergauf, hinab, Jahrzehnt, aktiv, Union, Natur . Das Modell gilt für abgeleitete Wörter mit untrennbaren Präfixen, die unbetonte starke Silben bilden, für zusammengesetzte Adverbien, für substantivische Zusammensetzungen, in denen das Bestimmungswort an der zweiten Stelle steht, für deutsche Wörter mit entlehnten Suffixen oder Lehnwörter. Als Varianten dieses Modells gelten:

a) Lieferant, Heuchelei, Pianist, Aspirant, Institute

Agronom, Photograph, parallel, Sekretar,

b) [ - ] : Revolution, Philosophie, Literatur,

c) [----------------- ] : Universität, Revolutionär,

d) [ . J: empfangen, erkämpfen, Jahrhundert, Juristen,

e) [ ]: Kommunisten, Dirigenten,

f) [ — . . ]: Jahrhunderte, eroberte, verschwundene.

Der deutsche Wortschatz ist somit nach dem Wortakzent in sieben Grundmodelle einzuteilen, von denen die ersten drei Anfangsbetonungen haben. Die übrigen vier haben End-und Innenbetonung. Vorherrschend scheint die Anfangsbetonung zu sein, die alle einfachen Wörter betrifft (mit Ausnahme von Forelle, Holunder, Wacholder, Hermelin), Zusammensetzungen mit Unterordnung, in denen das Bestimmungswort an der ersten Stelle steht, und Ableitungen, die mit dem Stammorphem oder einem trennbaren Präfixmorphem beginnen.

4. Funktionen des deutschen Wortakzents.

Drei wichtige sprachliche Funktionen erfüllt der deutsche Wortakzent: eine ralminative (gipfelbildende), eine demarkative (abgrenzende) und eine distinktive (differenzierende).

Die kulminative Funktion des deutschen Wortakzents kommt in seiner zentralisierenden Einwirkung zum Ausdruck. Nur eine Silbe ist im Wort Träger des Hauptakzents. Es gibt im Deutschen kein Wort, das zwei Hauptakzente hatte. Zwar wurde von vielen Phonetikern angenommen, dass verstärkende Adjektivzusammensetzungen und kopulative substantivische Zusammensetzungen der deutschen Sprache eine gleich starke (schwebende) Betonung auf beiden Elementen haben. Neue experimentelle Untersuchungen erwiesen jedoch, dass auch in diesen Wörtern eine Kernsilbe den Hauptton tragt: eiskalt Süd-West

Die neben- und unbetonten Silben des Wortes sind der Kernsilbe mit der Hauptbetonung unterordnet. Je starker, deutlicher, exakter wir die akzentuell leitende Silbe hervorheben und entsprechend artikulieren, desto weniger Aufmerksamkeit schenken wir den übrigen Silben, desto starker ist die Reduktion in diesen Silben. Lange Vokalphoneme verlieren an Dauer, stimmlose Verschlusslaute verlieren am Grade der Behauchung, stimmlose Engelaute an Geräusch. Manche Vokalphoneme werden nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ reduziert oder elidiert (sehen — sehn, wollen — wolln). Dies ist das Resultat der zentralisierenden Wirkung des Hauptakzents, der kulminativen Funktion des Wortakzents.

Im russischen Wort ist die zentralisierende Kraft des Hauptakzents noch starker als im Deutschen, denn während die hauptbetonte Silbe im deutschen Wort neben sich minder betonte Silben zulasst, duldet die betonte Silbe des russischen Wortes neben sich keine Nebenbetonung. Nur in langen Zusammensetzungen ist das möglich, wobei zwischen hauptbetonter und nebenbetonter Silbe einige unbetonte Silben stehen müssen (вагоновожатый). Es werden deshalb auch im russischen Wort die Vokale der unbetonten Silben viel starker reduziert als im deutschen Wort.

Die demarkative Funktion der deutschen Wortbetonung äußert sich darin, dass die akzenttragende Silbe meistenteils am Anfang des Wortes steht und deshalb ein Grenzsignal darstellt, das auf den Anfang des Wortes hinweist. Oder aber steht die akzenttragende Silbe am Ende des Wortes und weist dann wiederum als Grenzsignal auf das Ende des Wortes. Selbst da, wo wir im Deutschen Innenbetonung haben, ist es möglich durch die Analyse der Qualität der unbetonten Silbe, die vor der hauptbetonten Silbe steht, den Anfang des Wortes zu bestimmen, denn es stehen hier in der Regel nur untrennbare Präfixe. Andererseits weisen auf das Ende des Wortes, falls hier keine betonte Silbe steht, die reduzierten e-Laute.

Im Russischen ist die demarkative Funktion der Wortbetonung bedeutend geringer, weil die Betonung freier ist. Die freie Betonung der russischen Sprache ist dafür ein wichtiges distinktives Sprachmittel. Allein durch die Wortbetonung unterscheidet man im Russischen nicht nur eine große Anzahl von Wortpaaren, sondern auch Oppositionspaare von grammatischen Formen. Vgl. замок — замок, мука — мука, плачу — плачу, мою — мою, руки — руки, горы — горы. Da die deutsche Wortbetonung morphemgebunden ist, kann sie nur in geringem Maße als distinktives Sprachmittel dienen. Jedoch gibt es eine bedeutende Anzahl von Oppositionspaaren, in denen sich die Glieder durch verschiedene Betonung und verschiedene Bedeutung unterscheiden. Vor allem gehören hierher Ableitungen mit den Präfixen über-, unter-, durch-, um-, wieder-, die bekanntlich trennbar und untrennbar gebraucht werden können und einmal betont, das andere Mal unbetont sind: ,übersetzen — übersetzen, wiederholen — wiederholen, ,durchschauen — durch‘schauen. Differenzierend wirkt der Wortakzent weiterhin in solchen Wörtern wie ,steinreich — stein‘reich, ,blutarm — blut‘arm, ,August — Au‘gust, ,alle — Al‘lee, ,arme — Ar‘mee, ,Kaffee — Ca‘fe, ,Genus — Ge‘nufi, ,Akt iv — ak‘tiv, ,Passiv — pas‘siv, ,ge- bet — Ge‘bet u.a. Wortpaare wie ,daher — da‘her, ,damit — da‘mit, ,dahin — da‘hin, ,darum — da‘rum unterscheiden sich in der Regel auch inhaltlich, z. B. Er verstärkte seine Stimme, ,damit gelang es ihm, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. — Er verstärkte seine Stimme, da ,mit man ihn besser höre. Genauere Beobachtungen zeigen, dass der deutsche Wortakzent auch in anderen Fällen bedeutungsdifferenzierend wirken kann.

Wörterbücher enthalten gewöhnlich keinen Hinweis darauf, dass Varianten von Wörtern durch Verstärkung oder Verringerung des lexikalischen Grundbegriffs entstehen können, wobei die Variationen hauptsachlich durch verschiedene Betonung entstehen. Man konnte in diesem Falle von Redevarianten sprechen, denn sie sind situativ in sog. schwachen Positionen bedingt. So kann z. B. das Worturalt auf doppelte Weise betont werden. Wenn man beim ruhigen Sprechen das Modell (-*- -Л) benützt, so bekommt man die Bedeutung ‘sehr a l t \ Spricht man nun aber die erste Silbe in besonders hohem Ton, so wird die Bedeutung verstärkt, und es heißt ‘sehr, sehr alt '. Man konnte dieselbe Bedeutung durch Verdoppelung des Teiles urerzielen: ururalt. Wobei übrigens wieder beide verstärkende ur im Hyperhochton erscheinen. Vgl. ebenfalls ,unermesslich (nicht zu ermessen) mit uner‘messlich (außerordentlich). Aber nicht nur Wortpaare sind im Deutschen Zeugen der differenzierenden Funktion des Akzents. Von Bedeutung ist ebenfalls, dass der Hauptakzent im Wort vor allem auf Trägern der lexischen Bedeutung liegt, während formbildende Elemente unbetont bleiben.





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